Der Ursprung: Clawdbot und ein Wochenend-Experiment
Es gibt Open-Source-Projekte, die jahrelang in der Stille wachsen, bis sie irgendwann entdeckt werden. Und dann gibt es Projekte wie OpenClaw – damals noch Clawdbot –, die aus einem Wochenend-Experiment heraus innerhalb weniger Wochen die globale Entwickler-Community erschüttern.
Peter Steinberger ist kein Unbekannter in der Softwarewelt. Der österreichische Entwickler gründete PSPDFKit, ein Dokumenten-SDK, das auf über einer Milliarde Geräten läuft. Er ist, was man in der englischsprachigen Tech-Szene einen Vibe Coder nennt: jemand, der auf Gefühl, Intuition und Geschwindigkeit baut, weniger auf Planung.
Im November 2025 setzte sich Steinberger hin, um ein simples Experiment zu machen: Er wollte wissen, was passiert, wenn man WhatsApp mit Anthropics Claude-API verbindet. Die erste Version brauchte eine Stunde. Eine Nachricht schicken – Claude antwortet. E-Mails checken lassen – kein Problem. Das Ganze lief lokal, auf eigener Hardware, ohne Cloud-Abhängigkeit.
Er nannte es Clawdbot. Eine Wortschöpfung aus dem inoffiziellen Spitznamen von Anthropics Modell – „Clawd", eine phonetische Variante von „Claude" – und dem Suffix „-bot". Das Maskottchen: ein Cartoon-Hummer aus dem Weltall namens „Clawd". Charmant, selbstreferenziell, eindeutig zu nah an der Marke eines Milliarden-Dollar-Unternehmens.
Phase 1 – Clawdbot (November 2025 – 27. Januar 2026)
Clawdbot war von Anfang an klar mehr als ein Bot. Steinberger hatte eine Architektur gewählt, die für damalige AI-Agenten ungewöhnlich war: Der Agent lief vollständig lokal, verstand seinen eigenen Quellcode, wusste welche Modelle er nutzte, konnte über CLI gesteuert werden – und war vor allem über Messaging-Apps wie WhatsApp, Telegram und Discord bedienbar.
Peter Steinberger schickte dem Agenten über WhatsApp eine Sprachmemo – obwohl Voice-Processing damals nicht implementiert war. Minuten später kam eine Antwort. Der Agent hatte eigenständig einen OpenAI API-Key gefunden, Whisper angebunden, das Memo transkribiert und verarbeitet. Ohne menschliche Intervention.
Dieses eine Beispiel zeigt, was Clawdbot von Anfang an von anderen Tools unterschied: Es war kein statisches Tool, sondern ein Agent, der seinen eigenen Fähigkeitsrahmen zur Laufzeit erweitern konnte. Ganz LinkedIn diskutierte es. Andrej Karpathy, ehemaliger KI-Direktor von Tesla, nannte es „genuinely the most incredible sci-fi takeoff-adjacent thing I have seen recently."
Der offizielle Launch am 25. Januar 2026 war ein Paukenschlag: 9.000 GitHub-Stars in 24 Stunden. Die Community war elektrisiert. Ingenieure aus Silicon Valley bis Beijing installierten Clawdbot, diskutierten Architekturen, bauten erste Integrationen.
Der Auslöser: Anthropics Trademark-Beschwerde
Zwei Tage nach dem offiziellen Launch – das Projekt hatte gerade einen rasanten Wachstumskurs eingeschlagen – meldete sich Anthropic. Die Beschwerde war, in Steinbergers eigenen Worten, höflich formuliert. Der Kern: Der Name „Clawdbot" und das Maskottchen „Clawd" seien zu nahe an Anthropics Marke „Claude".
Phonetisch ist das Argument nachvollziehbar: „Clawd" und „Claude" klingen identisch. Das war kein Versehen – es war der Witz des Namens. Steinberger hatte das Projekt von Anfang an als Hommage an das Modell konzipiert, das es antrieb.
„Clawdbot war phonetisch zu ähnlich zu Claude, und das Maskottchen verstärkte die Verbindung zusätzlich."— Analyse der Trademark-Situation, hyperight.com, Feb. 2026
Steinberger reagierte schnell. Zu schnell, wie sich zeigen sollte.
Phase 2 – Moltbot: 72 Stunden Chaos
Um 5 Uhr morgens sprang Steinberger in eine Discord-Brainstorming-Session mit der Community. Hunderte Namen wurden vorgeschlagen. Der Gewinner: Moltbot.
Die Idee dahinter ist elegant: „To molt" bezeichnet im Englischen den Häutungsprozess, bei dem Hummer ihre alte Schale abwerfen, um in einer neuen, größeren zu wachsen. Das Bild passte perfekt zur Transformation des Projekts – Clawdbot, das seine alte Hülle abwirft und zu etwas Größerem wird. Die Hummer-Identität blieb erhalten.
Am 27. Januar 2026 wurde Moltbot offiziell eingeführt. Was danach folgte, nennt die Tech-Community heute die „72 Stunden, die alles kaputt machten."
Als Steinberger seinen alten Twitter/X-Handle @clawdbot freigab, um @moltbot zu beanspruchen, schnappten sich professionelle „Handle Sniper" den Account in annähernd 10 Sekunden. Krypto-Scammer nutzten den gekaperten Account sofort: Ein fiktives Token namens $CLAWD wurde auf Solana gelauncht. Die Marktkapitalisierung schoss auf 16 Millionen US-Dollar – und kollabierte innerhalb weniger Stunden auf nahezu null.
Das Chaos um Moltbot ist ein Lehrbeispiel dafür, welche Risiken eine überstürzte Social-Media-Umbenennung birgt. Für das Projekt selbst war der Schaden begrenzt – die Community war bereits so engagiert, dass die Momentum nicht zu stoppen war. Stars wurden weiter gesammelt. Integrationen wurden weiter gebaut.
Moltbot hatte eine Lebenszeit von exakt drei Tagen.
Phase 3 – OpenClaw: Der Name, der blieb
Am 30. Januar 2026 gab Steinberger bekannt, dass Moltbot erneut umbenannt wird. Die Begründung war einfach und ehrlich: Der Name habe sich „nie wirklich gut angefühlt". Moltbot rollte nicht von der Zunge.
Diesmal ging man methodisch vor. Trademark-Recherche. Domain-Sicherung. Keine übereilten Social-Media-Aktionen. Das Ergebnis: OpenClaw.
Der Name ist strategisch stärker als seine Vorgänger:
| Kriterium | Clawdbot | Moltbot | OpenClaw |
|---|---|---|---|
| Trademark-sicher | ✗ Nein | ⚠ Riskant | ✓ Geprüft |
| Beschreibt Open-Source | ✗ Nein | ✗ Nein | ✓ „Open" |
| Hummer-Identität | ✓ Ja (Clawd) | ✓ Ja (Molt) | ✓ Ja (Claw) |
| Sprachlicher Fluss | ✓ Gut | ✗ Holprig | ✓ Sehr gut |
| Domains verfügbar | ✗ Vergeben | ⚠ Teilweise | ✓ Gesichert |
OpenClaw etablierte sich innerhalb weniger Tage als kanonischer Name. Heute wird in Suchanfragen, GitHub-Diskussionen und Enterprise-Evaluierungen ausschließlich dieser Name verwendet – auch wenn ältere Beiträge noch Clawdbot oder Moltbot erwähnen. Alle drei Namen bezeichnen dasselbe Projekt, dieselbe Codebase.
Die vollständige Zeitachse im Überblick
Was diese Naming-Geschichte für Unternehmen bedeutet
Die Umbenennung von Clawdbot zu OpenClaw ist mehr als eine lustige Anekdote aus der Open-Source-Welt. Sie trägt wichtige Lektionen für Entscheider, die heute evaluieren, ob OpenClaw das richtige Framework für ihre KI-Strategie ist.
1. Der Name hat gewechselt – die Technologie nicht
Wenn Sie in älteren Artikeln, Reddit-Threads oder Bewertungen den Namen Clawdbot oder Moltbot lesen, sprechen diese Quellen von demselben Projekt, derselben Architektur, oft sogar demselben Code-Commit. Eine technische Evaluation von Clawdbot aus Januar 2026 ist technisch heute noch weitgehend gültig – unter einem anderen Namen.
2. Die Trademark-Situation ist geklärt
OpenClaw ist trademark-geprüft. Steinberger und das Team haben nach dem Moltbot-Desaster bewusst die Domain-Sicherung und die Markenprüfung priorisiert. Unternehmen, die OpenClaw heute einsetzen, bauen auf einem stabilisierten Markenfundament auf – kein weiterer Namenswechsel ist zu erwarten.
3. Community-Reife trotz schnellem Wachstum
Die Chaos-Tage rund um Moltbot haben das Projekt nicht geschwächt – sie haben es gehärtet. 34 Security-Commits in kurzer Zeit, eine aktive Security-Community und Enterprise-Forks wie NemoClaw von NVIDIA zeigen, dass das Ökosystem trotz seiner turbulenten Frühphase auf Produktionsreife zusteuert.
OpenClaw wurde als Open-Source-Projekt für technisch versierte Nutzer entwickelt. Für den produktiven Einsatz in Unternehmen – DSGVO-konform, abgesichert und skaliert – brauchen Sie einen erfahrenen Implementierungspartner, der die Enterprise-Architektur kennt. Genau das ist das Kerngeschäft von Clawgency.
FAQ: Alle Fragen zur OpenClaw Naming-Geschichte
OpenClaw hieß ursprünglich Clawdbot (ab November 2025). Nach einem Markenrechtsstreit mit Anthropic wurde es am 27. Januar 2026 in Moltbot umbenannt – und drei Tage später am 30. Januar 2026 in OpenClaw. Alle drei Namen bezeichnen dieselbe Software und Codebase.
Anthropic, das Unternehmen hinter dem KI-Modell Claude, wandte sich mit einer Trademark-Beschwerde an Peter Steinberger. Der Name Clawdbot war phonetisch zu ähnlich zu „Claude" – das Maskottchen „Clawd" (ein Hummer) verstärkte die Ähnlichkeit zusätzlich.
Moltbot leitet sich vom englischen Verb „to molt" ab – dem Häutungsprozess, bei dem Hummer ihre Schale abwerfen, um zu wachsen. Der Name symbolisiert Transformation. Er hielt jedoch nur drei Tage, weil Steinberger ihn als sprachlich ungelungen empfand.
Als Steinberger beim Wechsel von Clawdbot zu Moltbot seinen alten Twitter/X-Handle freigab, kaperten Handle-Sniper den Account in etwa 10 Sekunden. Krypto-Scammer nutzten ihn für einen fiktiven Solana-Token ($CLAWD), dessen Marktkapitalisierung auf 16 Millionen Dollar stieg – und dann auf nahezu null fiel. Das Projekt selbst war nicht beteiligt.
Der Name OpenClaw wurde am 30. Januar 2026 eingeführt – drei Tage nach der Umbenennung zu Moltbot. Peter Steinberger begründete den Wechsel damit, dass Moltbot sprachlich nie funktioniert habe. Seitdem ist OpenClaw der stabile, trademark-geprüfte Name des Projekts.
OpenClaw wurde von Peter Steinberger entwickelt, einem österreichischen Softwareentwickler und Gründer von PSPDFKit (heute Nutrient). Im Februar 2026 wechselte Steinberger zu OpenAI; das Projekt wird seitdem von der Community weiterentwickelt.
Ja, technisch gesehen handelt es sich um dasselbe Projekt und dieselbe Codebase. Die Umbenennungen waren ausschließlich durch Marken- und Kommunikationsgründe motiviert. Wenn Sie in alten Artikeln Clawdbot oder Moltbot lesen, ist damit immer OpenClaw gemeint.
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